Trinkwasser-Kraftwerk Mittersill

Die Stadtgemeinde Mittersill investiert fast vier Millionen Euro in die Sanierung der Trinkwasser-Leitungen samt Turbine.
Kernstück ist dabei ein Kraftwerk, das aus dem hochwertigen Quellwasser zusätzlich noch Strom erzeugt. Mittersill verfolgt damit das Ziel, die gesamte in der Stadt benötigte Energie künftig selbst herzustellen.

Projektinhalt und Ziel

Sanierung der Trinkwasserversorgung samt Einbau eines Trinkwasserkraftwerkes
Die Quellen werden in 2 Bereichen gefasst, weshalb 2 Leitungen vorhanden sind.

Lachalmquelle - Turbine 1 mit 281 kW: RAV 1,23 GWh

Hocheckquelle - Turbine 2 mit 52 kW: RAV 0,24 GWh

Projektablauf

Ca. 2010 gab es aufgrund der zu erneuernden Trinkwasserversorgung der Stadtgemeinde Mittersill erste Überlegungen, diese Sanierung mit einem Trinkwasserkraftwerk zu kombinieren. Die Quellfassungen und die Leitungen waren nach mehreren Jahr-zehnten Nutzung zu sanieren. Aber es stellten sich zahlreiche Probleme in den Weg: "Schwierige geologische Verhältnisse, der Gewässerschutz, eine Reihe von Grundbesitzern und Dienstbarkeiten, die für eine energiewirtschaftliche Nutzung nicht galten.

In der Beginnphase der Modellregion 2014 wurde das Projekt dann konkretisiert und die Genehmigungsverfahren wurden durch-geführt. Insbesondere im Bereich der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung und der Förderungen konnte die Modellregion (Georgia Pletzer und Wolfgang Schoberleitner) eingebunden werden. Es gab eine vollständige Planungsrechnung für die Investitionskos-ten.

Trotz Förderungszusagen bei der Oemag wurde das Projekt 2015 vorläufig aufgegeben, weil es sich aufgrund der damaligen Strompreise nicht rentiert hätte.

Mit besseren Fördertarifen und vor allem einem steigenden Strompreis griff man das Projekt 2020 wieder auf.

Das Trinkwasserkraftwerk wurde im Herbst 2021 eröffnet und in Betrieb genommen.

Angabe / Abschätzung der Kosten in EUR

Gesamtinvestitionsvolumen von 3,8 Millionen Euro Amortisationszeit von rund 13 Jahren (anhand Strompreisen vor der „Strompreis-Rally ab Sommer 2021)

 

 

Nachweisbare CO2 Einsparungen in Tonnen

1,5 GWh prognostizierte Stromerzeugung pro Jahr

329 Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr (inkl. Vorkette)

Auf Basis Stromaufbringung Österreich Bei der Stromaufbringung Österreich werden die inländische Stromerzeugung und die Stromimporte berücksichtigt. Der Emissi-onsfaktor für die inländische Stromerzeugung wird anhand des Kraftwerkparks ermittelt. Für die Stromimporte werden die Emissi-onsfaktoren der Stromerzeugung der Importländer herangezogen.

Quelle: https://secure.umweltbundesamt.at/co2mon/co2mon.html

Projekterfolge (Auszeichungen) / Rückschläge in der Umsetzung

Nach lang andauernden Projektierungen und Genehmigungsverfahren musste das Projekt aufgrund der Amortisation zurückge-stellt werden. Mit Fortschreiten der Energiewende konnte die bereits erfolgen Planungen rasch umgesetzt werden, als sich ein günstiges Zeitfenster ergab.

Die Anlage konnte im Herbst 2021 erfolgreich in Betrieb genommen werden. Derzeit wird der erzeugte Strom ins Netz einge-speist, da am Erzeugungsort keine Eigenverbräuche dargestellt werden können.

Das werden gemäß Abflussberechnungen rund 1,5 Millionen kWh sein - der Verbrauch der Stadtgemeinde liegt bei 1,3 Millionen. Kilowattstunden. "Rechnerisch sind wir damit Selbstversorger", freut sich Bürgermeister Dr. Wolfgang Viertler.

Die Verstromung beeinflusst die Wasserqualität nicht!

Nachhaltige Perspektiven

Mit einem guten Ökostromtarif ist die Einspeisung bisher eine gute Option für die Gemeinde. Aber angesichts der stark gestiege-nen Strompreise überlegt man aktuell (Ende 2021), den Strom selbst zu nutzen.

Das Ziel ist die Errichtung einer Energiegemeinschaft in Mittersill. Diese Möglichkeit bietet das EAG-Gesetz seit Kurzem. Nun können sich mehrere Verbraucher zu einer Energiegemeinschaft zusammenschließen – man kann Strom zwischen mehreren Partnern austauschen. Dies gilt insbesondere für die Erzeugungsanlagen der Gemeinde (TWKW, mehrere PV-Anlagen) und die Verbraucher in den verschiedenen Gemeindeobjekten und weiteren Partnern wie der Biowärme Mittersill.

Weiters sind auch bereits kommunale Photovoltaikanlagen in Betrieb, die pro Jahr im Schnitt 200.000 Kilowattstunden erzeugen. Auch die Bio-Wärme Mittersill ist ein regionales Produkt. Sie kommt vom Biomassewerk, das rund 450 Objekte im Stadtzentrum beliefert, darunter auch jene der Gemeinde.

Völlig autark wäre man, wenn man die Möglichkeit hätte, beliebig viel Strom in der Form von Wasserstoff zu speichern. Mit ei-nem Inselnetz wäre man auch gegen einen Blackout gewappnet, so Bgm. Viertler. Mittersill ist Kooperationspartner eines For-schungsprojektes zur Speicherung von Wasserstoff. Man wird sehen, ob sich in diese Richtung mittelfristig Optionen ergeben.

Modellregions-Manager

Wallner Mario

     43-664-2363663
     mario.wallner@region-pinzgau.at

Berufliche Laufbahn
  • Studium der Umweltsystemwissenschaften mit Fachschwerpunkt in Gebirgsgeographie
  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsinstitut Wegener Center in Graz
  • Praktika bei KEM Energiereich Oberpinzgau, Nationalpark Hohe Tauern, Sonnblick Observatorium (ZAMG)
  • Bergführer Anwärter


Ort
Mittersill

"Das Quellwasser schießt aus rund 1.800 Metern Höhe Richtung Tal und wurde bisher nicht genutzt. Bisher musste der hohe Druck sogar künstlich abgebremst werden. Genau diese Energie wird künftig zwei Stromturbinen betreiben und somit können rund 1.500.000 kWh regionaler und nachhaltiger Strom erzeugt werden.

Die Planungsarbeiten waren langwierig und manchmal demotivierend. Aber die Gemeinde ist am Ball geblieben und hat die zuletzt deutlich besseren Rahmenbedingungen am Strommarkt rasch nutzen können. Die Amortisationszeit lag laut Planungs-rechnungen bei Projektstart bei rund 13 Jahren.

Besonders erfreulich ist, dass nunmehr im Zuge des neuen Erneuerbaren Ausbau Gesetzes noch weitere positive Optionen hinzu-kommen. Der Strom musste bisher ins Netz eingespeist werden – kann aber ab 2022 mittels einer regionalen EEG (erneuerbaren Energie Gemeinschaft) für die kommunalen Betriebe und weitere Partner im Gemeindegebiet genutzt werden. Und dies auch zu finanziell noch attraktiveren Konditionen."

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