Raus aus dem Öl, Leuchtturmprojekt in einem Mehrparteienhaus

Umsetzung eines Bündels an Maßnahmen bei einer WEG in einem Mehrparteienhaus in der Gemeinde Kallham. Mit dem vorliegenden Leuchtturmprojekt wurde eine Blaupause für Wohnungsgenossenschaften und Wohnbauträger geschaffen, um zu zeigen, dass der Umstieg auf Erneuerbare Energie (Im Bereich Haushaltsstrom UND Raumwärme) auch im MGW bei Eigentümergemeinschaften möglich ist. Gleichermaßen wurde Know-How für die Umsetzung geschaffen welches in weiterer Folge Wohnbau-trägern und Hausverwaltungen zur Verfügung gestellt wird.

Projektinhalt und Ziel

Umsetzen einer PV-Anlage in der durch die Größe des Dachs vorgegebenen max. möglichen Größe. Konkret sind das 27 kWp. Nutzung des PV-Stroms in Form einer GEA (für die Eigentümer) bzw. einer EEG (ab 2024) zum Erhöhen der Eigenverbrauchsrate. Die PV-Anlage wird, bedingt durch erhebliche Lieferschwierigkeiten, erst in 2023 mit einer Batterie (22 kWh) ausgestattet und Inselfähig/Notstromfähig ausgeführt.

Umsetzen eines Sektorkopplungsprojekts; Die geplante E-Ladestation wird in 2023 mit mehreren Ladepunkten inkl. Lastmanagement ausgestattet und ebenfalls mit der PV-Anlage gekoppelt, um Überschuss-Sonnenstrom für die Ladung verwenden zu können.

Ersatz des 20 Jahre alten Gaskessels durch einen Anschluss an das örtliche Nahwärmenetz ist erfolgt und bereits in Betrieb.

Projektablauf

Erste Gespräche mit den Wohnungseigentümern wurden bereits 2020 geführt. damals mit dem Ziel nur eine PV-Anlage umsetzen zu wollen. Zur Dimensionierung wurden zum damaligen Zeitpunkt Simulationen anhand der Lastprofile der Eigentümer durchgeführt.

Gespräche mit der Wohnungsgenossenschaft brachten sehr schnell die Entscheidung, dass das Projekt von den Eigentümern selbst durchgeführt werden muss. Unterstützt wurden dabei durch die KEM / den MRM. Die Entscheidung das Dach zur Gänze zu nutzen erfolgte in 2021. Die Umsetzung in 2022. Nach dem Angriff auf die Ukraine und die aufkommende Unsicherheit war schnell klar, dass das Projekt mit einer Batterie und Inselfähigkeit nachgerüstet werden soll. Das ist bis jetzt aufgrund Lieferverzugs der Batterie noch nicht umgesetzt.

Die (Überschussstrom-) gesteuerte E-Ladestation wird in 2023 umgesetzt.

Von den 6 Eigentümer:innen im Haus sind 4 als Anteilseigentümer beim PV-Projekt dabei. Die beiden anderen unterstützen das Projekt, wollten jedoch bei der Finanzierung nicht mitmachen. Beim gesamten Projekt wurde jeweils einstimmig entschieden. Das hat das Projekt insgesamt sehr begünstigt.

Betreffend des Betreibers der PV-Anlage wurden einige Überlegungen angestellt. Insgesamt ist es jedenfalls günstig die PV-Anlage als Überschuss-Einspeiser an den Allgemeinstrom-Zähler des Gebäudes anzuschließen. Auch die E-Ladestation wird über den Allgemeinstrom versorgt werden. Diese Entscheidung erfolgte einerseits aus Ressourcengründen und auch aus der Tatsache heraus, dass im E-Verteiler kein freier Steckplatz für einen weiteren Zähler vorhanden war.

Die Verwendung des Allgemeinstrom-Zählers erfordert jedoch, dass der Vertragspartner für die Einspeisung ident mit dem Vertragspartner für den Bezug sein muss, also die WEG.

Das Projekt im Namen einer WEG umzusetzen ist rechtlich etwas anspruchsvoller, hat aber den Vorteil der Vorsteuerabzugsberechtigung einer EEG. Hierbei ist aber auch eine Unterstützung durch den Immobilienverwalter nötig.

Montageort der Wechselrichter und der Batterie:

Als idealer Aufstellungsort wurde hierfür der Wäscheraum im Keller identifiziert. Daraus ergeben sich 2 Vorteile:

Konstante Temperaturen im Keller begünstigen die Lebensdauer der beiden Wechselrichter.

Die Abwärme der WR wird mittelfristig den Kellerraum leicht erwärmen, was für den Wäscheraum einen Vorteil darstellt. 

Angabe / Abschätzung der Kosten in EUR
  • PV-Anlage (27 kWp + 22 kWh Batterie): € 44.000,-
  • Ersatz des 20 Jahre alten Gaskessels durch einen Nahwärmeanschluß: € 20.000,-
  • E-Ladestation: € 9.000,-
Nachweisbare CO2 Einsparungen in Tonnen
  • Durch Tausch von Gaskessel auf Nahwärme: (36.000 kWh) – 15,8 to/a
  • Durch die 27 kWp PV-Anlage (77,4 g/kWh in Ö) – 2,1 to/a (EU27, 226g) – 6,1 to/a
  • Durch die E-Ladestation – THG Einsparung bereits bei der PV-Anlage berücksichtigt.
  • Durch den Gemeinschaftsgarten (Ein konkreter Wert ist hier schwer zu ermitteln)
Projekterfolge (Auszeichungen) / Rückschläge in der Umsetzung

Die Hausverwaltung dieses Objekts ist eine der größeren Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaften in OÖ. Durch das vorliegende Projekt konnte anfänglicher Skepsis und Ablehnung begegnet werden. Inzwischen steht diese Genossenschaft derartigen Projekten bereits positiv gegenüber und es wurde bereits ein weiteres Projekt identifiziert und definiert. Dieses Projekt wird auf einem Mietobjekt umgesetzt. Jedenfalls wurde die Basis gelegt um derartige Projekte großflächig ausrollen zu können (Dächer ohne Ende…)

Nach der Inbetriebnahme der PV-Anlage haben sich die 4 Anteilseigner die Handy-App des WR Herstellers installiert was zu einer entsprechenden Bewusstseinsbildung geführt hat.

Ein erster Pressebericht (betreffend des Heizungstauschs) erfolgte im AK Report OÖ Nr.4/Sept. 2022 Seite 10/11. Das MRM wurde hier nicht erwähnt, man wollte Arbeitnehmer vor den Vorhang holen.

Die weitere Öffentlichkeitsarbeit wird nach der vollständigen Umsetzung des Projekts gestartet.

Rückschläge in der  Umsetzung:

WEGs sind rechtlich komplexer als ursprünglich gedacht. Die Umsetzung somit durchaus anspruchsvoll. Konkrete Herausforderungen ergaben sich im Bereich der Fördereinreichung- und abrechnung sowie bei der Vertragserstellung betreffend der Rücklieferung mit der OeMAG. Hier besteht deutliches Verbesserungspotential

Nachhaltige Perspektiven

Ideal war letztendlich die gute Zusammenarbeit mit der Wohnungsgenossenschaft die zu einem weiteren PV-Projekt geführt hat. Die Learnings aus diesem Projekt können und werden auch für andere Immobilienverwalter verwendet. Erste Gespräche wurden bereits durchgeführt.

Modellregions-Manager

Portrait CH
Hummelbrunner Christian

     43-676-4244868
     christian.hummelbrunner@ing-ch.at

Berufliche Laufbahn

HTBLA Elektrotechnik in Linz mit Abschluss 1985. Danach einige Semester Technische Physik an der JKU in Linz. Leider ohne Abschluß.
Es folgten 4 Jahre in der Erwachsenenbildung in der BFI BBRZ Gruppe Linz.
Nach 11 Jahren im EDV Service erfolgte der Sprung in die Selbständigkeit. Zuerst gemeinsam mit einem Geschäftspartner und seit 2009 als EPU.
Seit 2013 mit dem Schwerpunkt auf Energieeffizienz, EE und Nachhaltigkeit.
2014 begann die Zusammenarbeit mit der KEM Traunstein.
MRM der KEM Energie-Regatta von 05-2019 bis 07-2020.
Seit Jänner 2021 Modellregionsmanager der KEM Traunstein.


Ort
Vorchdorf
Öffnungszeiten
Mo – Do 08:00 bis 12:00 und 13:00 bis 16:00, Fr 08:00 bis 13:00

"Der Mehrgeschossige Wohnbau hat brachliegende Dächer „ohne Ende“. Genau so wurde uns das bei einem Termin bei einer Wohnungsgenossenschaft gesagt. Trotzdem wurden in der Vergangenheit kaum PV Projekte bei WEGs umgesetzt. „CO2 neutral wohnen im Mehrparteienhaus“ zeigt, dass solche Projekte umsetzbar sind und es wurde das notwendige Know How erarbeitet um die gewonnenen Erkenntnisse in Zukunft auch großflächig anwenden zu können.

Die Wohnungseigentümer betreiben einen Gemeinschaftsgarten der bei der Versorgung mit frischem Gemüse und Obst unter-stützt und gleichzeitig die Sinnhaftigkeit regionaler und saisonaler Ernährung beweist."

Diese Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen zu ermöglichen. Mit der Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden. 
Weiters gilt für sämtliche, über Formulare auf dieser Website übermittelten Daten unsere Datenschutzerklärung.