Autostoppen auf gemütlich

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KEM-Manager im Porträt. Zwischen Donau und Wienerwald weht ein frischer Wind. Rupert Wychera hat sich in seiner Klima- und Energie-Modellregion (KEM) Tullnerfeld OST viel vorgenommen, zum Beispiel den Ausbau des Radwegnetzes, die Errichtung von E-Ladestationen und eine Photovoltaik-Beratungsoffensive. Demnächst werden auch zwei Dutzend „Mitfahrbankerl“ aufgestellt.

Die Bevölkerung im östlichen Tullnerfeld wächst und wächst. Denn die einst land- und forstwirtschaftlich geprägte Region nahe bei Wien wird immer beliebter als Wohn- und Gewerbegebiet. Die EinwohnerInnenzahl hat sich seit 1970 verdoppelt, nicht aber der öffentliche Verkehr abseits der Schnellbahn. Rupert Wychera, KEM-Manager im  Tullnerfeld OST und Energiebeauftragter der fünf beteiligten Gemeinden*, möchte den zunehmenden Verkehr nun in umweltfreundliche Bahnen lenken.

Rauf aufs Radl. Eines der aktuell wichtigsten Projekte ist der Ausbau des Radwegnetzes. „Bis Ende 2019 möchten wir den Radwegausbau in Teilabschnitten umsetzen“, erklärt Wychera. Der Streckenabschnitt zwischen St. Andrä-Wördern und Zeiselmauer befindet sich bereits in der abschließenden Detailplanung. Das Königstettner Parkbad soll künftig von der ganzen Familie sicher mit dem Fahrrad aus der KEM-Region erreicht werden können. „Wir wollen aber nicht nur die Radinfrastruktur für die Einheimischen verbessern, sondern auch Verbindungen zum Donauradweg schaffen, um TouristInnen zu einem Abstecher ins Hinterland einzuladen“, so Wychera.

Bus oder Bank? „Außerdem wird es ab heuer 20 bis 25 sogenannte Mitfahrbankerl geben“, greift Wychera eine Idee aus der Eifel auf, wo vor vier Jahren die ersten Mitfahrbänke aufgestellt wurden. Das Konzept ist einfach: Hinsetzen und auf nette Menschen warten, die einen ins nächste Dorf oder in die nächste Stadt mitnehmen. Was ursprünglich als zusätzliches Mobilitätsangebot für ältere Menschen gedacht war, wird auch von Jüngeren gerne genutzt und fand in zahlreichen deutschen Regionen, aber auch in Tirol und Niederösterreich Nachahmung.

Schon 2016 – noch in der Konzeptphase der KEM – organisierte Wychera KEM-Stammtische und Informationsveranstaltungen. Eine davon hatte E-Carsharing als Thema – und zeigte Wirkung. Seit Februar 2018 gibt es in St. Andrä-Wördern nun ein Elektroauto zum Teilen. „In Kooperation mit der EVN errichten wir heuer in jeder Gemeinde eine Ladesäule mit mindestens 22 Kilowatt Leistung“, freut sich Wychera.

Belichten und durchleuchten. St. Andrä-Wördern und Tulbing erhalten heuer eine neue energieeffiziente Straßenbeleuchtung – Muckendorf und Königstetten haben bereits vor fünf Jahren auf LED umgerüstet. Im vergangenen Winter wurden auch zahlreiche öffentliche Gebäude der Region thermographisch untersucht. „Gemeinsam mit den Daten aus einem sogenannten Heizungs-EKG erhalten die Gemeinden eine fundierte Grundlage für künftige Entscheidungen in Sachen Sanierung und Heizungstausch“, erläutert Wychera.

Gleichzeitig treibt er den Ausbau der Photovoltaik voran. Ende April wurde eine 20-kWp-Anlage auf dem Dach des Kindergartens Wolfpassing eröffnet und Ende Mai eine weitere 14 kWp-Anlage auf dem Haus der Generationen in Muckendorf. Drei, vier weitere Sonnenkraftwerke auf Kindergärten und Schulen sollen in den kommenden Monaten folgen. Weiters bereitet Wychera eine Beratungsoffensive für Private und Gemeinden vor, bei der ExpertInnen vor Ort das Photovoltaikpotenzial ausloten sollen.

Energieprofi. Rupert Wychera studierte Maschinenbau/Betriebswissenschaft an der Technischen Universität Wien und ist zertifizierter Photovoltaik-Planer, Energieberater und Energieauditor. Im Rahmen seines Ingenieursbüros Wynergy e.U. bietet er umfangreiche Beratungs- und Planungsleistungen vor allem in den Bereichen Photovoltaik und Windenergie. Sein Wissen über die Windkraft gibt er auch als Lektor an der Fachhochschule Technikum Wien weiter. KEM-Manager wurde der gebürtige Zeiselmaurer, weil er „etwas vor der eigenen Haustüre verändern“ wollte.

Privat kann man Wychera auf dem Fußballplatz treffen, wenn er mit seinen beiden Söhnen, 10 und 12 Jahre alt, kicken geht. Neben dem Sport – Tennis, Mountainbiken, Skifahren und Skitouren – kann sich der KEM-Manager auch für die Musik begeistern. Als seine Söhne begannen, bei der Blasmusik Trompete und Tenorhorn zu spielen, fing er an, Posaune zu lernen. Also dann, Energiezukunft marsch!

 

* Die KEM Tullnerfeld OST umfasst die Gemeinden Königstetten, Muckendorf-Wipfing, St. Andrä-Wördern, Tulbing und Zeiselmauer-Wolfpassing.

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