„Die KEMs sind ein wunderbarer Schatz“

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Interview. Zum dritten Mal geht der Titel „KEM-Manager des Jahres“ nach Oberösterreich. Simon Klambauer (KEM Sterngartl-Gusental) wurde am 4. Juni im AKW Zwentendorf von seinen KollegInnen aus den anderen Klima- und Energie-Modellregionen gewählt. Gemeinsam mit seinem Freund Herwig Kolar räumte er für das Leitprojekt Giro to Zero auch gleich die Auszeichnung für das „KEM-Projekt des Jahres“ ab.

KEM-Newsletter: Herr Klambauer, Sie sind der Erste, dem es gelang, sowohl zum KEM-Manager des Jahres gekürt zu werden, als auch die Auszeichnung „KEM-Projekt des Jahres“ mit nach Hause zu nehmen. Macht Sie das stolz?

Simon Klambauer: Ich freue mich sehr. Natürlich bin ich ein bisschen stolz. Herwig und ich haben uns bei der Wahl zum Projekt des Jahres gewisse Chancen ausgerechnet, da der Giro to Zero das erste Projekt ist, an dem alle 95 KEMs beteiligt sind. Aber dass mich die KollegInnen zum KEM-Manager des Jahres küren, hätte ich nicht erwartet. Herzlichen Dank!

Das Netzwerk der KEMs ist ein wunderbarer Schatz. Die gute Abstimmung untereinander und der ständige Austausch sind sehr wertvoll für unsere Arbeit. Wir müssen nicht immer das Rad neu erfinden, sondern können einzelne Maßnahmen oder ganze Projekte, die in anderen KEMs gut funktionieren, übernehmen oder auch weiterentwickeln. Für mich sind die KEM-Veranstaltungen immer ein Highlight – fast schon wie ein Familientreffen.

 

Wenn man sich in Ihrer KEM nach Sehenswürdigkeiten umsieht, stößt man auf den Sieben-Todsünden-Altar der Pfarrkirche Reichenthal. Welche dieser Sünden schadet unserem Planeten am meisten – die Unmäßigkeit, die Habsucht, der Stolz?

Der Drang nach immer mehr, nach den neuesten elektronischen Geräten, dem noch größeren Wohnraum oder Auto stellt tatsächlich eine wesentliche Gefahr für unsere Zukunft, und vor allem für die Zukunft unserer Kinder dar. Die Fülle an Dingen, die wir besitzen, aber eigentlich gar nicht brauchen, und unsere Art zu leben – das ist schon recht unverhältnismäßig zu dem, was uns, gemessen an den Ressourcen unseres Planeten, eigentlich zur Verfügung steht.

 

Wie kann man als KEM-ManagerIn dagegen vorgehen?

Es schadet sicher nicht, mit gutem Beispiel voranzugehen. Ich halte es für wichtig, dass man die Dinge, die man den Menschen der Region näherbringen möchte, auch selbst lebt – sei das nun beim Grundverbrauch, beim Lebensstil oder der Mobilität. Man kann durchaus viele Wege ohne Auto erledigen und braucht auch nicht immer um 18.00 Uhr noch ein frisches Semmerl. Und natürlich muss man in allen Bereichen arbeiten, arbeiten, arbeiten, Alternativen aufzeigen und positive Anreize setzen, statt mit dem Zeigefinger zu kommen.

 

Eine sehr wichtige Zielgruppe in Ihrer Arbeit sind Kinder und Jugendliche. Wie reagieren die Kids der KEM Sterngartl-Gusental auf Greta Thunberg und Fridays for Future?

Meine beiden Klimaschulen-Projekte waren sehr erfreulich, weil ich es immer mit sehr engagierten PartnerInnen, Lehrkräften und SchülerInnen zu tun hatte. Die Kinder sind sehr offen und saugen die Inhalte gleich auf. Über die Kinder und die große Abschlussveranstaltung erreicht man auch die ganze Familie und deren Umfeld.

 

Auf Ihrer KEM-Website singen Kinder „Stop talking, start acting“. Was hat es damit auf sich?

Der Song ist im ersten Klimaschulen-Projekt entstanden. Das ist ja das Tolle am Klimaschulen-Programm, dass die Inhalte nicht nur ganz konventionell, sondern auch in Form kreativer Prozesse vermittelt werden können. Die Kinder können ein wenig aus dem gewohnten Schulalltag ausbrechen und tigern sich dann unter professioneller Anleitung richtig rein. Das haben wir bei der Musical-Aufführung gesehen und auch bei diesem Song.

Glauben Sie, dass die Jungen nun wieder den Schwung in die Energie- und Mobilitätswende bringen werden, den die „alten weißen Männer“ in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten vermissen ließen?

Die Fridays-for-Future-Bewegung schlägt Wellen und lässt auch unsere Jugendlichen nicht unberührt. Es ist schön, dass der Klimaschutz nun wieder ganz breit in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Wenn sich die Jungen auf die Füße stellen, dann ist das unserer Arbeit in den Regionen sehr zuträglich. Zumindest setzen sich die Jugendlichen nun intensiv mit dem Klimaschutz auseinander und wissen, was Sache ist. Das stimmt mich schon optimistisch und ist sehr wichtig, weil sie die nächsten sind, die in die Verantwortung kommen. Ich kann mir aber durchaus auch vorstellen, dass die Hartnäckigkeit der Jugendlichen Einfluss auf die Wahlprogramme der „alten weißen Männer“ und auf das Wahlergebnis im Herbst haben kann.

 

Sie sind nicht nur KEM-Manager, sondern arbeiten auch für Helios, Österreichs größtes dezentrales Bürgerbeteiligungs-Photovoltaikkraftwerk. Wie läuft der Ausbau?

Das Sonnenkraftwerk ist inzwischen auf über 10 Megawatt Spitzenleistung (MWp) gewachsen und wird weiterhin kräftig ausgebaut. Noch immer gibt es zahlreiche ungenutzte Dachfächern. Bis Ende des Jahres wollen wir die 400. Anlage installieren. Ich freue mich, dass auch in meiner KEM 1,5 MWp über Bürgerbeteiligung errichtet werden konnten.

 

Sie haben selbst eine Reihe von Projekten umgesetzt, kooperieren aber immer wieder auch mit benachbarten Klima- und Energie-Modellregionen – etwa beim E-Carsharing MühlFerdl oder jetzt beim Giro to Zero. Welche Projekte waren am erfolgreichsten?

Der MühlFerdl ist sicher eine Erfolgsgeschichte. Wir können mit insgesamt 20 E-Autos im Mühlviertel inzwischen eine interessante Alternative zum eigenen Auto oder Zweitauto anbieten. Sehr erfolgreich verlief auch die Sammelpassaktion „Freunde der Erde“, für die wir mit dem Climate Star 2018 ausgezeichnet wurden. Wer mit der eigenen Tasche oder ohne Auto einkaufen kam, wer regionale Produkte kaufte oder die getrennten Abfälle zum Bauhof brachte, bekam ein „Pickerl“. Obwohl es nur Kleinigkeiten zu gewinnen gab, wurden über 3.000 Sammelpässe abgegeben. Damit haben wir praktisch alle Haushalte der Region erreicht und sie angeregt, ihr Konsumverhalten zu hinterfragen. Auch wenn es jetzt keine Pickerl mehr gibt, ist bei den Menschen viel hängen geblieben. Angesichts des großen medialen Echos und der Wahl zum Projekt des Jahres können wir wohl auch den Giro to Zero unter meine erfolgreichsten Projekte einreihen.

 

Welche Pläne schmieden Sie für Ihre KEM?

Demnächst soll nach dem Vorbild von Eichgraben ein elektrisches Dorfmobil den Betrieb aufnehmen. Damit können die Menschen aus Hellmonsödt, Sonnberg und Zwettl an Rodl bequem und klimafreundlich ins nächste regionale Zentrum, in die Musikschule oder zur Bushaltestelle gelangen. Das Freunde-der-Erde-Team ist heuer ebenfalls wieder aktiv. Bis Juli läuft ein Fotowettbewerb, bei dem es darum geht, etwas Gutes für die Umwelt oder das Klima zu tun und das mit einem Foto zu dokumentieren. Bei der Abschlussveranstaltung am 3. Oktober im Pfarrzentrum Gallneukirchen werden die Einreichungen präsentiert.

Ich möchte, dass unsere Region auch zur Klimawandelanpassungs-Modellregion (KLAR) wird. Mit unserer ersten Einreichung sind wir leider regionsintern gescheitert, aber das gibt uns nun  Zeit, uns noch gründlicher auf eine neuerliche Einreichung vorzubereiten.

 

Danke für das Gespräch, viel Erfolg und gute Fahrt für die nächsten Giro-Etappen!

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